Kamelot, ReVamp und Tellus Requiem im Knust, 11.11.2013

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Kamelot im Knust? …die Band hat sich über die Jahre einen guten Ruf als hervorragende Liveband erarbeitet und ist es eigentlich gewohnt, auf größeren Bühnen zu spielen. Nun also einmal in familiärer Atmosphäre? Man durfte gespannt sein.

Zunächst einmal bewiesen ‚Tellus Requiem’, dass Kamelot wieder einen guten Riecher für hochkarätige und lohnenswerte Support-Acts hatten. Progressiver und sehr technischer Metal vom Allerfeinsten, musikalisch ausgefeilt, und mit einer unbändigen Spiellaune präsentiert. Diese Band macht auf vielfältige Weise einfach Laune, und die Jungs haben das begeisterte Feedback des bereits gut gefüllten Knusts sichtlich genossen. So beginnt der Abend schon einmal super!

Nach kurzer Umbaupause starteten dann ReVamp durch. Es wäre definitiv unfair, dieses Projekt einfach nur als die Band zu bezeichnen, in der die neue Nighwish-Sängerin nebenbei noch singt. Der Stil ist erfrischend eigenständig und zeigt, dass Floor Jansen sich ein perfektes Forum für ihre fantastische und extrem wandlungsfähige Stimme geschaffen hat. Zwar erforderten die verschachtelten und abwechslungsreichen Songs zu Beginn der Show ein wenig Aufmerksamkeit, aber je besser der Sound eingepegelt war, umso begeisterter reagierte das erst recht stille Hamburger Publikum. Spätestens ab ‚Wild Card’ waren die Fakten auf dem Tisch, die Band bewegte sich souverän und mit reichlich Power durch die eingängigen Melodien und komplexen Songs. Nach 45 Minuten wurde das Versprechen von ReVamp, bald wieder nach Hamburg zurückzukehren, begeistert aufgenommen; Floor, wir werden dich gerne daran erinnern.

Punkt halb elf ging das Licht aus, und im Knust wurde es laut. Kamelot wurden von ihren Fans gebührend empfangen und stimmte die Menge mit ‚Torn’ auf das ein, was dieser Abend noch bringen sollte. Die Band agierte von der ersten Minute an mit gewohntem Spaß an der Sache. Die Bühne ließ einen direkten Zugang zum Publikum zu und insbesondere Tommy nutzte jede sich bietende Gelegenheit, um auf Tuchfühlung mit seinen Anhängern zu gehen. Ohnehin ist inzwischen wohl jeder Zweifler zum Schweigen gebracht, der damals glaubte, dass dieser junge Ausnahmefrontmann die Fußstapfen des großen Roy Khan nicht ausfüllen könnte. Tommy Karevik hat seinen Weg bei Kamelot definitiv gemacht und ist einfach ein Garant für eine gute Show.

Die Band ist live immer eine Bank, wobei insbesondere Bassist Sean Tibbetts im positivsten Sinne definitiv einen an der Waffel hat und gewillt schien, jeden Quadratzentimeter der Bühne wenigstens einmal zu betreten. Oder zumindest im Tiefflug zu überqueren…

Wie üblich bei einer Kamelot-Show gibt es bei jeder Show eine Gastsängerin, die einerseits einen optischen Akzent setzt und andererseits stimmlich für Farbe sorgt. Im heutigen Fall überzeugte The Agonist-Frontfrau Alissa White-Gluz mit ihrer Erscheinung und Stimmgewalt. Spätestens als diese Lady bei ‚March of Mephisto’ sowohl wunderschön im Duett mit Tommy sang, als auch die im Original von Shagrath verewigten finsteren Parts ins Mikro ballerte, konnte einfach kein Auge trocken bleiben.

Auch Floor Jansen ließ es sich nicht nehmen, für ‚the Haunting’ noch einmal die Bühne zu betreten und den weiblichen Part in diesem Klassiker zu inszenieren. Einfach großartig!

Silverthorn over Europe endet in Hamburg nach eineinhalb Stunden um Mitternacht. Was bleibt? Ausschließlich zufriedene Gesichter. Die Erfahrung, dass Kamelot auch nicht langweilig werden, wenn sie zweimal innerhalb eines Jahres in Hamburg spielen. Die Erkenntnis, dass Club-Athmosphäre für eine derart publikumsnahe Band eine perfekte Location sein kann. Und die Vermutung, dass Tommy erfolgreich dafür gesorgt hat, beim nächsten Besuch in Hamburg mit ‚hallo Dieter’ begrüßt zu werden…

Kolja Voß
Pics by Zephira

 

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